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Diözesan-Caritasverband Rottenburg-Stuttgart, 27.07.2010

Individuelle Förderung für schwache Schüler

Trotz Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt haben in Baden-Württemberg viele junge Menschen keine berufliche Perspektive

 

Stuttgart/Freiburg, 27. Juli - Wenn morgen an den Schulen in Baden-Württemberg die großen Ferien beginnen, sieht für einige Tausend Schülerinnen und Schüler die berufliche Zukunft düster aus: Sie verlassen die Schule   ohne Hauptschulabschluss. Im vergangenen Jahr waren das fast 6.500 Schüler. Laut Statistischem Landesamt ist zu erwarten, dass etwa ein Drittel dieser Schüler ihren Hauptschulabschluss im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) nachholen wird. Die anderen zwei Drittel ohne Schulabschluss werden aber niemals in eine Ausbildung starten können. Nicht wenige von ihnen fallen durch alle Netze. "Der weitere biografische Verlauf dieser jungen Menschen ist tragisch. Wenn sie aufgrund ihrer geringen Qualifikation keine Arbeit finden, werden sie ein Leben lang Hartz-IV beziehen", bedauern die beiden Caritasdirektoren in Baden-Württemberg Johannes Böcker (Stuttgart) und Bernhard Appel (Freiburg).  

Die Caritas in Baden-Württemberg beobachtet mit Sorge, dass besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund strukturell im Nachteil sind. Nur drei von zehn ausländischen Abgängern haben im vergangenen Jahr einen mittleren Abschluss erzielt. Nur fünf Prozent von ihnen erreichte laut Statistischem Landesamt die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Dagegen lag der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss mit 13 Prozent dreimal so hoch wie bei den deutschen mit stark vier Prozent. "Auch in Baden-Württemberg entscheidet also die soziale Herkunft über die Zukunft der jungen Menschen", kritisieren die Caritasdirektoren.

Nach Einschätzung der Caritas-Mitarbeiter in der Jugendberufshilfe brechen immer mehr Jugendliche berufsvorbereitende Bildungsgänge wie das BVJ oder das Berufseinstiegsjahr (BEJ) ab. Befragt man diese Jugendlichen nach ihren Zukunftsplänen, hören die Mitarbeiter oft Antworten wie die des 16-jährigen Nuredin: "Dann mach' ich halt Hartzen". "Das Dramatische ist, dass die Anzahl dieser verlorenen Jugendlichen zunimmt", erklärt Bernhard Appel, Caritasdirektor für die Erzdiözese Freiburg. Dies sei das eine. Auf der anderen Seite stehe ein Arbeitsmarkt, der unter Fachkräftemangel leide und dringend auf junge Menschen angewiesen sei. "Jeder dieser Jugendlichen wird gebraucht. Aber das wird von den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft noch zu wenig gesehen."

Bereits bei der Grundschulempfehlung werden aus Sicht der Caritas in Baden-Württemberg Zukunftschancen verbaut. "Seit Jahren sind Schüler mit Migrationshintergrund an Förderschulen überrepräsentiert. Es stellt sich die Frage, ob diese Schüler wirklich lernbehindert sind oder einfach nur schlechte Sprachkenntnisse in Deutsch haben", so der Caritasdirektor der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Johannes Böcker.   

Aus Sicht des Freiburger Caritasdirektors Appel bieten auch neue schulische Ausbildungsformen wie die Werkrealschule oder das vorberufliche Modelprojekt "Vorqualifizierung - Arbeit - Beruf" (VAB) schwachen Schülern kaum bessere Chancen. "Insbesondere die Bildungspolitik muss der Frage auf den Grund gehen, welche Werte und Inhalte in der Schule vermittelt werden sollen und wie dies umgesetzt werden kann." Wolle man erreichen, dass Jugendliche mit dem Schulaustritt ausbildungsreif seien und die dazu notwendigen sozialen Kompetenzen mitbrächten, seien dringend mehr Erzieher und Lehrer sowie mehr Zeit für die spezifische Förderung gefragt, so die beiden Caritasdirektoren. Auch die Lehrer müssten dahingehend qualifiziert sein, dass sie den Anforderungen im Umgang mit Schülern aus bildungsfernen Schichten gerecht werden. Im zweiten Schritt gehe es darum, die Schüler individuell zu fördern. "Jeder Schüler lernt anders. Das müssen wir in unseren Schulen stärker berücksichtigen." Daher fordert die Caritas das Land dazu auf, Konzepte zur individuellen Förderung zu entwickeln.

Die Caritas in Baden-Württemberg hält in der katholischen Jugendsozialarbeit für junge Menschen rund 5.100 Plätze bereit. So erreicht sie mehr als 6.500 Jugendliche im Jahr, die in Qualifizierungsmaßnahmen sind oder sich im Übergang von der Schule in den Beruf befinden.

Falls Sie weitere Informationen zum Thema suchen, können Sie sich gerne in Verbindung setzen mit:

- Dr. Maria Hackl, Referentin im Kompetenzzentrum Sozialpolitik beim Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Telefon 0711/2633-1456, Mail: hackl@caritas-dicvrs.de

- Herbert Rieder, Leiter Caritas-Dienst Schule und Qualifizierung - Bereich Arbeit und Beschäftigung Roncalli, Telefon 0711/951916-11, Mail: rieder@roncalli-fellbach.de

- Bernadette Ruprecht/Dr. Markus Mayer, Referat Jugendsozialarbeit/Bildung und Schule im Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, Telefon 0761/8974-113 bzw. -212, Mail: ruprecht@caritas-dicv-fr.de oder mayer@caritas-dicv-fr.de