Stuttgart/Freiburg, 23. April – 60 Jahre
Baden-Württemberg, das sind auch sechs Jahrzehnte Politik für Menschen in
schwierigen Lebenslagen. Als Partner in sozialen Fragen gratuliert die Caritas
in Baden-Württemberg dem Land herzlich zu seinem 60-jährigen Bestehen. „In all
den Jahren war das Land immer wieder neu herausgefordert, für Menschen in
Notsituationen passende politische Lösungen zu finden und konkrete Hilfe zu
schaffen“, erklären die Caritasdirektoren im Land Prälat Wolfgang
Tripp
(Stuttgart) und Monsignore Bernhard
Appel
(Freiburg). Stellte sich in den 50er Jahren die
Frage, wie Heerscharen von Flüchtlingen im Südwesten ein neues Zuhause aufbauen
können, ist die Landespolitik heute - 60 Jahre später - herausgefordert, armen
Kindern Chancen auf Bildung und Gesundheit zu ermöglichen. Bei all diesen
Fragen habe sich die Caritas über die Jahrzehnte hinweg als kritischer
Begleiter und sozialer Partner der Landespolitik begriffen, so die
Caritas-Direktoren.
Am Anfang der Sozialgeschichte des Landes stand die Hilfe
für ehemalige Zwangsarbeiter, für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und
Spätaussiedler. Mitarbeiter des Caritasverbands und zahlreiche Ehrenamtliche
wie die gesamte Wohlfahrt setzten sich dafür ein, Menschen in Notunterkünften
unterzubringen und Essen und Beratung bereitzustellen. Das
Vertriebenenministerium wurde Anfang der 60er Jahre als wichtiger Partner des
sozialen Aufbaus in das Innenministerium integriert. Als das Sozialministerium
eingerichtet wurde, intensivierte sich die Partnerschaft zwischen Sozialpolitik
und der freien Wohlfahrtspflege.
In der sozialpolitischen Ausrichtung haben sich das Land
und die Caritas den wechselnden aktuellen Problemen gestellt: So begleitete der
katholische Wohlfahrtsverband in den 60er Jahren im Land den fachlichen und
quantitativen Auf- und Ausbau der Kindertagesstätten. Mit Reformen in der
Heimerziehung und in der Behindertenhilfe war die Caritas Vorreiterin in
sozialen Fragen und schuf Anfang der 60er Jahre ein Bewusstsein für die
Notwendigkeit einer Abteilung für Soziales im Innenministerium.
Unter Federführung des Sozialministeriums und unter
Beteiligung der Wohlfahrtsverbände wurde in den 70er Jahren ein Planungsgremium
eingerichtet, das soziale Angelegenheiten koordinierte. In Folge davon wurde unter
anderem die Landesstelle für Suchtfragen geschaffen, eine Plattform für die
Koordinierung, den fachlichen Austausch und die Weiterentwicklung der
Suchthilfe.
Während in den 80er Jahren Arbeitslosigkeit und die
Jugendberufshilfe große Themen darstellten, rückt seit den 90er Jahren die
Versorgung von alten Menschen ins Zentrum sozialpolitischer Debatten. Politik
und Wohlfahrt sind hier gefragt, in Kooperation Lösungen zu entwickeln. Seit
zwei Jahrzehnten entwickelt daher die Caritas in Baden-Württemberg
Ausbildungsstätten für Sozialberufe weiter und hat die Fachschulebene im
pflegerischen und auch im erzieherischen Bereich etabliert. Die Caritas schuf
damit die Voraussetzung, dass sich künftige Erzieher und Pflegerinnen
landesweit qualifiziert aus- und fortbilden lassen können.
Als „fruchtbar“ bewerten
Appel
und
Tripp
die Zusammenarbeit mit der aktuellen
Landesregierung. Bei aktuellen Fragen – derzeit stehe etwa die Etablierung
eines Armuts- und Reichtumsberichts für Baden-Württemberg auf der Agenda – könne
das Land auch in Zukunft jederzeit auf die fachliche Expertise und die
Kooperation des katholischen Wohlfahrtsverbandes setzen.