Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V. - Interview Wolfgang Tripp

www.dicv-rottenburg-stuttgart.caritas.de
Aktuell
Pressekontakt
Infos für die Presse
Mittelstandspreis: Nominierte Unternehmen
Bündnis für Tariftreue und Tarifstandards
Interview mit Diözesancaritasdirektor Prälat Wolfgang Tripp
Caritas-Journalistenpreis
Kinderschutz
Stellungnahmen
"Leben ist angesagt"
Events
Publikationen
Ich möchte mehr Infos über ...
Download-Archiv

 
Verabschiedung Wolfgang Tripp - Porträt Tripp
Foto: Eva-Maria Bolay
 

 

Diözesancaritasdirektor Prälat Wolfgang Tripp geht in den Ruhestand

"Ich blicke zutiefst dankbar zurück"

In seinen 18 Jahren als Direktor des diözesanen Caritasverbandes hat Prälat Wolfgang Tripp die Nöte der Menschen kennengelernt und versucht, gute Antworten für sie zu entwickeln. Dankbar blickt der Priester auf eine bereichernde, aber oft auch herausfordernde Zeit zurück. Worauf sich der 68-Jährige im Ruhestand freut und welche Themen ihn begleiten werden, verrät er im Interview.

Herr Tripp, 18 Jahre standen Sie an der Spitze des Caritasverbandes. Gibt es Themen, die immer präsent waren?

Ganz klar ist das die Frage, wie wir der Not der Menschen begegnen und welche Antworten wir geben. Die sich stetig verändernden Rahmenbedingungen stellen große Anforderungen an uns. Auch die Armut als Mangel an Teilhabe beschäftigt uns seit Jahren. Was mir darüber hinaus am Herzen liegt ist die Frage, wie das Bewusstsein für Solidarität in unserer Gesellschaft geweckt, begleitet und gestärkt werden kann. Ich habe hohen Respekt vor der Arbeit unserer Ehrenamtlichen. Die Themen sind heute so komplex, dass Antworten nur gemeinsam möglich sind: Netzwerke und Verbünde sind das Gebot der Stunde.

An welche Höhepunkte Ihrer Arbeit denken Sie gerne zurück?

Es freut mich, dass es uns gelungen ist, die theologische und spirituelle Verwurzelung unserer Arbeit zu intensivieren und uns großen ethischen Fragestellungen zu widmen. Wir haben Orte geschaffen, an denen Themen wie der Anfang und das Ende des Lebens, Krankheit und Tod reflektiert werden. Gerne denke ich auch an die Kontakte zur Caritas nach Mailand und Zagreb und zur Diözese Görlitz. Eine der bereicherndsten Erfahrungen, die ich als Caritasdirektor gemacht habe, sind die vielen Beziehungen, nach außen zu unseren Partnern und zu unseren tollen Mitarbeitern.

Gibt es Zeiten, die Ihnen als schwierig in Erinnerung bleiben?

In Deutschland gibt es ein besonderes System der Wohlfahrtsarbeit, viel passiert im Auftrag des Staates und dass die Arbeit auskömmlich finanziert ist, ist ein ständiger Kampf. Das gilt auch im Hinblick auf kirchliche Mittel - es gab ja Zeiten, in denen es der Diözese nicht so gut ging. Seit Jahren beschäftigt mich, wie die Arbeit der großen karitativen Träger als originärer kirchlicher Auftrag geschätzt und gefördert wird - vielen ist nicht bewusst, dass diese Träger keine Kirchensteuermittel erhalten.

Warum haben Sie sich entschieden, Priester zu werden?

In der Jugend haben mich überzeugte und engagierte Priester begleitet und so habe ich mich entschieden, das auch auszuprobieren. Lebensort meiner Kindheit und Jugend war alles, was um den Kirchturm herum passierte: Meine erste Reise habe ich mit der katholischen Jugend unternommen, hier war ich sportlich engagiert, hier bin ich zur Tanzstunde gegangen.

Sie waren als Seelsorger tätig, als Sie das Angebot bekommen haben, Caritasdirektor zu werden. Ist Ihnen die Entscheidung leicht gefallen, nun einen Großkonzern zu leiten?

Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich war vier Jahre Vikar in der Gemeinde und elf Jahre Diözesanjugendseelsorger. Mein Highlight war die Diözesansynode - diese Zeit hat mich stark geprägt. Danach war ich wieder zehn Jahre in der Gemeinde. Als die Anfrage kam, hatte ich einen idealen Zugang zur Caritas: Ich kannte die kirchliche und die Diözesanebene und konnte ein bestehendes Netzwerk nutzen. In der Gemeinde habe ich tolle Bedingungen erlebt, ich hatte immer einen Vikar und wir waren sechs Pfarrer in Esslingen. Das ist aufgrund des Priestermangels heute unvorstellbar. Es gab daher keinen Moment bei der Caritas, in dem ich mich zurückgesehnt habe. Was mir manchmal gefehlt hat, war die Feier der Liturgie.

Hat der Caritasverband in Politik und Gesellschaft eine Stimme, die ernst genommen wird oder war es schwer, sich Gehör zu verschaffen?

Beides. Von unserer Größe und Tradition her sind wir ein anerkannter Träger der sozialen Arbeit. Aber die Zeiten haben sich geändert und das Soziale ist ein freier Markt geworden, auf dem Konkurrenz und Geld eine Rolle spielen. Die Skandale in der Kirche wirken sich auch auf uns aus: Manchmal heißt es, "Ihr gehört doch auch zu denen, die viel Geld haben". Gottseidank gibt es trotzdem noch viele Menschen, die uns unterstützen. Innerhalb von zehn Jahren haben sich bei uns 85 Stiftungen gegründet.

Welche Themen werden die Caritas künftig beschäftigen?

Das ist eindeutig die Teilhabe - denn es gibt zunehmend ausgegrenzte Menschen. Auch der Umgang mit Flüchtlingen ist wichtig, damit einher geht die Frage, wie wir die Vielfalt in unserer Gesellschaft gestalten. Wir dürfen auch den demografischen Wandel nicht aus den Augen verlieren - ein dramatisches Thema, dem wir uns intensiv widmen müssen.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie den Caritasverband und worauf freuen Sie sich?

Ich blicke zutiefst dankbar auf die Stationen meines beruflichen Lebens zurück und gehe zufrieden, aber auch erleichtert, weil die Arbeit hohe Anforderungen mit sich gebracht hat. Ich freue mich, gesund und bei Kräften aufhören und mehr selbst über meine Zeit bestimmen zu können. Ich möchte lesen und schöne Orte besuchen, die ich nur von der Durchreise kenne. Ich werde aber auch meine freundschaftlichen Beziehungen weiter pflegen und ab und zu gerne noch Gottesdienste übernehmen.

Interview: Diana Müller/Katholisches Sonntagsblatt Nr. 13 vom 29.03.2015